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<title>Brahmanen</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Brahmanen</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr">
<p>Die <b>Brahmanen</b> (<a href="Sanskrit" title="Sanskrit">Sanskrit</a>: ब्राह्मण, <span class="IAST Latn"><a href="International_Alphabet_of_Sanskrit_Transliteration" title="International Alphabet of Sanskrit Transliteration">brāhmaṇa</a></span>) sind im indischen <a href="Kastensystem" class="mw-redirect" title="Kastensystem">Kastensystem</a> die Angehörigen der obersten Kaste (<a href="Varna_(Kaste)" title="Varna (Kaste)">Varna</a>). Im <a href="Hinduismus" title="Hinduismus">Hinduismus</a> ist es Vorrecht und Pflicht der Brahmanen, Lehrer des <a href="Veda" title="Veda">Veda</a> und Gelehrte zu sein. Bis heute stellen hauptsächlich sie die <a href="Priester" title="Priester">Priester</a>. Daher war „Brahmane“ auch ein <a href="Religi%C3%B6ser_Titel" class="mw-redirect" title="Religiöser Titel">religiöser Titel</a>. Im <a href="Indien" title="Indien">modernen Indien</a> üben sie jeden Beruf aus.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Mythos_und_Geschichte">Mythos und Geschichte</h2></div>
<p>Im Purusha Sukta im 10. Buch des <a href="Rigveda" title="Rigveda">Rigveda</a> gibt es einen Mythos über die Entstehung der Kasten. Durch das Opfer des göttlichen Urriesen <a href="Purusha" title="Purusha">Purusha</a> entstanden demnach aus seinem Mund die Brahmanen, aus den Armen die <a href="Kshatriya" title="Kshatriya">Kshatriya</a> (Fürsten), aus den Schenkeln die <a href="Vaishya" title="Vaishya">Vaishya</a> (Händler, Bauern) und aus den Füßen die <a href="Shudra" title="Shudra">Shudra</a> (Dienende).
</p><p>Die Zeit der brahmanischen Kultur datiert zwischen etwa 500 v. Chr. und 1000 n. Chr. Der Höhepunkt der Brahmareligion (<a href="Brahmanismus" title="Brahmanismus">Brahmanismus</a>), deren Träger die Brahmanen ebenso waren wie die der <a href="Ayurveda" title="Ayurveda">brahmanischen Medizin</a>, war ungefähr die Zeit um 800 v. Chr.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Im Laufe der Geschichte gelang es den Brahmanen, ihren Machtanspruch hinsichtlich Ritual und Gesellschaft immer mehr zu festigen, was dazu führte, dass sich asketische Religionsformen wie der <a href="Buddhismus" title="Buddhismus">Buddhismus</a> oder <a href="Jainismus" title="Jainismus">Jainismus</a> zeitweilig in Indien durchsetzen konnten. Aber auch innerhalb des Hinduismus selbst drängten neue Bewegungen wie die der <a href="Bhakti" title="Bhakti">Bhakti</a>-Frömmigkeit den Einfluss der Brahmanen langsam zurück.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Eigenschaften_nach_traditionellem_Verständnis"><span id="Eigenschaften_nach_traditionellem_Verst.C3.A4ndnis"></span>Eigenschaften nach traditionellem Verständnis</h2></div>


<p>Der gesellschaftliche Status, alle Aufgaben, Pflichten und Rechte, sind in der <a href="Manusmriti" title="Manusmriti">Manusmriti</a> beschrieben, einem über 2000 Jahre alten Gesetzbuch, das im heutigen Alltagsleben für die meisten jedoch kaum Bedeutung hat.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Nach den Schriften der Hindus machen besonders die Charaktereigenschaften den Brahmanen aus. „Gelassenheit des Geistes (<i>śama</i>), <a href="Selbstdisziplin" title="Selbstdisziplin">Selbstbeherrschung</a> (<i>dama</i>), <a href="Askese" title="Askese">Askese</a> (<i>tapa</i>), Reinheit (<i>śauca</i>), Nachsicht (<i>kṣānti</i>) und Aufrichtigkeit (<i>arjavam</i>), Wissen (<i>jñānam</i>), <a href="Weisheit" title="Weisheit">Weisheit</a> (<i>vijñānam</i>), und religiöser Glaube (<i>āstikyam</i>)“ nennt die <a href="Bhagavad_Gita" title="Bhagavad Gita">Bhagavad Gita</a> (18.42).
</p><p>Das <a href="Mahabharata" title="Mahabharata">Mahabharata</a>:
„Die Eigenschaften eines Brahmanen sind Reinheit, gutes Verhalten, Mitleid mit allen Lebewesen.“
</p><p>Dementsprechend wird von einem Angehörigen dieser höchsten Kaste eine durch Geburt erworbene psychische Reinheit sowie ein besonders reiner Lebenswandel erwartet. Wie in anderen Schriften setzen sich aber auch viele Stellen im Mahabharata<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> mit der Diskrepanz zwischen dem hohen Ideal und dem realen Lebenswandel auseinander:
„Weder die Herkunft noch die Weihe und Gelehrsamkeit machen den Brahmanen aus, allein sein Lebenswandel ist der Grund.“
</p><p>Nach altem hinduistischem <a href="Dharma" title="Dharma">Dharma</a>, das auch in der <a href="Manusmriti" title="Manusmriti">Manusmriti</a> beschrieben ist, war der ideale Lebenslauf eines Brahmanen sowie der anderen zwei oberen Kasten folgender: Er ging im Alter von ungefähr 8 Jahren zu einem Lehrer und blieb bei ihm, bis er das Studium der <a href="Veden" class="mw-redirect" title="Veden">Veden</a> abgeschlossen hatte. Dann war er verpflichtet zu heiraten, regelmäßig Opfer darzubringen, Söhne zu zeugen, zu unterrichten und Geschenke zu machen. Wenn die Söhne erwachsen waren, sollte er sich in den Wald zurückziehen und schließlich im letzten Stadium seines Lebens von allen Bindungen befreien und das Leben eines <a href="Sannyasin" title="Sannyasin">Eremiten</a> führen. Kein Brahmane aber sollte dieses Leben anstreben, bevor er die Pflichten der vorhergehenden Stadien erfüllt hatte. In der Geschichtswissenschaft besteht die Vermutung, dass derartige Regelungen von den religiösen Autoritäten gezielt etabliert wurden, um den immer erfolgreicheren asketischen, oft antibrahmanischen und antiritualistischen Bewegungen den Wind aus den Segeln zu nehmen. So konnte das Ideal der geheiligten asketischen Lebensführung in den allgemeinen Lebensablauf integriert werden, ohne das soziale Leben an sich massiv zu stören. Erst nachdem ein Mann seine sozioökonomischen Pflichten gegenüber Familie und Gesellschaft erfüllt hatte, sollte er legitimerweise in die Hauslosigkeit gehen können.
</p><p>Die Brahmanen überlieferten die Veden – auch noch nach dem Aufkommen der <a href="Brahmi-Schrift" title="Brahmi-Schrift">Brahmi-Schrift</a> – mündlich von Generation zu Generation.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die brahmanischen Familiennamen Dvivedi/Dwivedi (verkürzt: Dube/Dubey), Trivedi/Tripathi/Tripati und Chaturvedi (verkürzt: Chaube/Chaubey) waren ursprünglich Ehrenbezeichnungen für die Beherrschung zweier, dreier oder aller vier Veden.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> 2008 nahm die <a href="UNESCO" title="UNESCO">UNESCO</a> die Tradition des vedischen <a href="Chanting" title="Chanting">Chantens</a> in die <i><a href="Repr%C3%A4sentative_Liste_des_immateriellen_Kulturerbes_der_Menschheit" title="Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit">Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit</a></i> auf.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Rolle_im_heutigen_Indien">Rolle im heutigen Indien</h2></div>
<p>Als Priester und Gelehrte, die typischen, aber nicht ausschließlichen Berufe der Brahmanen, ist nur eine Minderheit tätig. Das Einkommen eines durchschnittlichen Priesters ist eher dürftig, wenn er nicht gerade einen angestammten Platz etwa an einem wichtigen Pilgerort mit vielen zahlenden „Kunden“ hat. Neuerdings beginnen immer mehr Angehörige der anderen Kasten die Aufgaben eines Priesters zu übernehmen.
</p><p>Obwohl Brahmanen nur einen kleinen Teil der indischen Bevölkerung stellen, sind sie in der <a href="Intellektueller" title="Intellektueller">intellektuellen</a> Elite des Landes stark vertreten. Grundsätzlich jedoch arbeiten sie in allen Berufen und haben auch im Geschäftsleben Fuß gefasst. Tendenziell findet man sie eher in „<a href="Blue_Collar" title="Blue Collar">white-collar</a>“-Berufen. Entgegen den gängigen Vorurteilen sind Brahmanen auch als Arbeiter in der Industrie tätig; sie haben zwar eine <a href="Aversion" title="Aversion">Aversion</a> gegen Tätigkeiten mit niedrigem Status, sind jedoch nicht grundsätzlich gegen physische Arbeit eingestellt. Da keineswegs alle Brahmanen zu den Wohlhabenden gehören, müssen sie oft jede Arbeit annehmen, die angeboten wird. Besonders häufig arbeiten Brahmanen als Köche, denn traditionell müssen sie nicht nur rituelle Reinheit beachten, auch der Hygiene kommt üblicherweise in ihrem Leben ein hoher Stellenwert zu. Auch weist ihnen die alte religiöse Rechtsliteratur, etwa die <a href="Manusmriti" title="Manusmriti">Manusmriti</a>, als höchster Kaste das Recht zu, allen anderen Kasten Essen und Getränke reichen und zubereiten zu dürfen. In der heutigen Praxis jedoch akzeptieren viele Hindus, selbst Brahmanen, Essen von jedem.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Brahma" title="Brahma">Brahma</a></li>
<li><a href="Tamilische_Brahmanen" title="Tamilische Brahmanen">Tamilische Brahmanen</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Gilles Chuyen: <i>Who is a Brahmin? The politics of identity in India</i>. Manohar Publications, New Delhi 2004, ISBN 81-7304603-4.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Brahmins?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Brahmanen</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://ich.unesco.org/en/RL/tradition-of-vedic-chanting-00062">Video zur Tradition des vedischen Chantens</a> auf der Homepage der UNESCO</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Paul_Diepgen" title="Paul Diepgen">Paul Diepgen</a>, <a href="Heinz_Goerke" title="Heinz Goerke">Heinz Goerke</a>: <i><a href="Ludwig_Aschoff" title="Ludwig Aschoff">Aschoff</a>: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin.</i> 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 4.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Thomas Piketty: <cite style="font-style:italic">Kapital und Ideologie</cite>. C.H.Beck, 2020, ISBN 978-3-406-74573-7, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>397</span> (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.google.de/books/edition/Kapital_und_Ideologie/a0XVDwAAQBAJ?hl=de&amp;gbpv=1&amp;dq=Brahmanen+Manusmriti&amp;pg=PA397&amp;printsec=frontcover">google.de</a> [abgerufen am 8.&nbsp;Juli 2025]).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Brahmanen&amp;rft.au=Thomas+Piketty&amp;rft.btitle=Kapital+und+Ideologie&amp;rft.date=2020-03-11&amp;rft.genre=book&amp;rft.isbn=9783406745737&amp;rft.pages=397&amp;rft.pub=C.H.Beck" style="display:none">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Mahabharata&nbsp;13,131,49<small> <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.sacred-texts.com/hin/mbs/mbs13131.htm">sa</a></small></span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Jack Goody: <i>The Interface Between the Written and the Oral.</i> Cambridge University Press, Cambridge 1987, ISBN 0-521-33268-0, S.&nbsp;111.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Nigel Bathurst Hankin: <i>Hanklyn-Janklin. A Stranger’s Rumble-Tumble Guide to Some Words, Customs and Guiddities. Indian and Indo-British.</i> India Research Press, New Delhi 2003, ISBN 81-87943-04-1, S.&nbsp;504.</span>
</li>
</ol>
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Normdaten&nbsp;(Sachbegriff): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/4373052-8">4373052-8</a></span> </div>
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